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Das CUXjournal traf sich dieser Tage mit dem 1. Vorsitzenden Harry Lange, um mehr über den Gesundheitsverein und seine aktiven Mitglieder zu erfahren.

Cux-Journal: Welche Ziele verfolgt der Kneipp-Verein?

Lange: Zweck des Kneipp-Vereins ist die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und die Lehre Sebastian Kneipps vom gesunden Leben und naturgemäßem Heilen allen Menschen nahe zubringen.

Cux-Journal: Wer war Sebastian Kneipp?

Lange: Sebastian Kneipp (1821 – 1897), der als "Wasserdoktor von Wörishofen" weltweit bekannt ist, war der Begründer der Lehre von der ganzheitlich orientierten gesunden Lebensweise und eines komplexen Naturheilverfahrens.
Kneipp kurierte sich während seines Theologiestudiums mit kalten Tauchbädern selbst, um die Folgen einer schweren Krankheit zu überwinden.
Als Sohn einfacher Weber geboren, war seine Kindheit von Entbehrungen und harter Arbeit geprägt. Auch als Kaplan propagierte er die Wasseranwendungen und empfahl seinen Patienten eine einfache und natürliche Lebensweise. Sein Buch "Meine Wasserkur", das in vielen Sprachen übersetzt wurde, verhalf Kneipp zu internationaler Bekanntheit. Sogar Papst Leo XIII konsultierte Kneipp und verlieh ihm danach den Titel Monsignore und päpstlicher Geheimkämmerer. Es gäbe noch viel Interessantes über ihn zu berichten. Kneipp war im übrigen ein gütiger Mensch; er konnte allerdings auch sehr grob werden.

Cux-Journal: Hört man das Wort "KNEIPP", denkt man sofort an Wasseranwendungen.

Lange: Das ist richtig, es ist quasi auch als "Markenzeichen" zu verstehen. Tatsächlich umfasst die Kneipp'sche Lehre von gesunder Lebensweise aber weit mehr. Denn sie basiert auf den Wirkprinzipien:

Wasser
Bewegung
Ernährung
Kräutern und
Lebensgestaltung.

Wichtig ist das harmonische Zusammenwirken dieser Prinzipien. Als gelungen gilt eine Lebensgestaltung, wenn sie Einheit von Körper, Seele und Geist erreicht hat und im Einklang mit dem sozialen und ökologischen Umfeld steht.

Cux-Journal: Kneipp-Vereine gelten häufig noch als Altenklubs. Ist das richtig?

Lange: Früher war das richtig, heute ist das nicht mehr aufrecht zu erhalten. Früher – also vor etwa 20 Jahren – setzte das Gesundheitsbewusstsein erst mit 40 Jahren ein, also in einem durchaus fortgeschrittenen Alter. Heute tritt diese Erkenntnis dagegen früher ein. Das hängt mit der rasch zunehmenden Umweltverschmutzung und seinen schädigenden Gesundheitsfolgen zusammen. Daraus resultiert bereits frühzeitig das Bedürfnis nach gesunder Lebensweise. So verzeichnen wir in den vergangenen Jahren erfreulich eine größere Nachfrage jünger Menschen nach Kneipp'scher Gesundheitstherapie. Insgesamt gesehen ist aber der Alterdurchschnitt in den Kneipp-Vereinen allgemein zu hoch.

Cux-Journal: Sie geben damit das Stichwort für die nächste Frage: Kinder haben im Kneipp-Verein wohl nichts verloren?

Lange: Ich muss Sie enttäuschen. Wir legen größten Wert darauf, dass Kinder mit ihren Erziehungsberechtigten unserem Verein beitreten. Unser jüngstes Mitglied ist im übrigen 10 Jahre alt. Aber Sie haben Recht. Kinder waren früher in Kneipp-Vereinen wenig erwünscht. Es zählten allein die Erwachsenen. Nur zur Vervollständigung: Unser ältestes Mitglied ist 100 Jahre alt. Diese Entwicklung wird heute allgemein bedauert. Inzwischen ist man anderen Sinnes geworden. Nunmehr werden Kinder als Klientel entdeckt, bei der man frühzeitig die Kneipp'sche Lehre von gesunder Lebensweise anwenden kann. Hierfür gibt es mehrere Ansatzpunkte, z. B. in Schulen und Kindergärten.

Cux-Journal: Gibt es auch in Cuxhaven ähnliche Aktionen des Kneipp-Vereins?

Lange: Das ist der Fall. Wir hatten vor länger Zeit Cuxhavener Kindergärten angesprochen und ihnen unser Programm über "Kneipp'sche Gesundheitserziehung" vorgestellt. Hierfür wurden auch einige Erzieher/innen in Kneipp'scher Gesundheitslehre ausgebildet. Die Aktion hatte allerdings nicht den erhofften Erfolg. Erfolgreicher waren wir dagegen in Schulen. Es ist uns als erster Kneipp- Verein in der BR (- immerhin gibt es hier insgesamt 660 Kneipp-Vereine mit rd. 600.000 Mitgliedern -) vor einigen Monaten gelungen, in einer Cuxhavener Grundschule "Yoga" als Wahl-Pflichtfach einzuführen.

Cux-Journal: Ihre Tätigkeit beschränkt sich aber nicht nur auf Einzelobjekte. Sie haben sicherlich mehr zu bieten.

Lange: In der Tat. Wir haben seit Jahren ein umfangreiches Kurs- und Gruppen-Programm. Es umfasst 14 Kurs- und Gruppenprogramme, u. a.

Yoga
Rückentraining
Wassergymnastik und Schwimmen
Wasserbewegungsübungen im Therapiebecken
Sportliche Gymnastik / Präventiv-Sport
Gesundheitsgymnastik für Senioren
Fitness für Bauch – Beine – Po
Meditativer Tanz
Radfahren
Wanderungen
Beckenboden-Gymnastik

Es gibt bei uns auch einen Kurs "Klönen und Spielen". Außerdem unternehmen wir ein- oder mehrtägige Ausflüge und Reisen, z. B. kürzlich in die Kaiserstadt Wien. (Die CN berichtete darüber).
Überdies gibt es auch Vorträge über gesundheitliche Themen. So ist im September d. J. ein Vortrag von 3 Chefärzten des HEILOS Seehospitals Sahlenburg im Stadttheater geplant.

Cux-Journal: Nun stehen Einnahmen und Mitgliederzahlen in engem Verhältnis zu einander. Wie ist die Situation in Ihrem Verein?

Lange: Unser Verein existiert seit über 50 Jahren. Die Mitgliederzahl hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Heute zählt der Kneipp-Verein Cuxhaven rd. 750 Mitglieder. Unser Ziel ist es, im Jahre 2015 das 1.000 Mitglied begrüßen zu können.

Cux-Journal: Worauf führen Sie den enormen Mitgliederzuwachs zurück?

Lange: Dafür gibt es mehrere Gründe; und zwar
1. Unser vielseitiges Kurs- und Gruppenprogramm,
2. Die öffentliche Auszeichnung in den letzten Jahren als "Gesundheitssportverein des Jahres", die vom Nds. Turnerbund und den AOK Niedersachsen verliehen wurde. Erst vor wenigen Wochen erhielt unser Verein für ein gesundheitsorientiertes Angebot im Wasser das Gütesiegel des Deutschen Olympischen SportBundes. (Die CN berichtete hierüber).
3. Die Tatsache, das mehrere Kurse – z. B. Yoga, Rückentraining und Wassergymnastik von einigen gesetzlichen Krankenkassen als Präventionsmaßnahmen anerkannt werden. Das bedeutet für die Teilnehmer eine finanzielle Bezuschussung ihrer Kursgebühren.
4. Die gute Aus- und Fortbildung unserer Übungsleiter/innen.
5. Und nicht zuletzt unsere niedrigen Mitgliedsbeiträge. So beträgt der monatliche Beitrag für einen Erwachsenen nur 2,30 €.

Cux-Journal: Sie haben als Vereinsvorsitzender insgesamt eine positive Bilanz gezogen. Gibt es nichts, was man noch verbessern könnte?

Lange: Es gibt nichts, was man nicht verbessern könnte. Das gilt sowohl für unseren Verein als auch allgemein. In Cuxhaven gibt es – wie auch in anderen Städten – eine Vielzahl öffentlicher und privater Anbieter gesundheitlicher Vorsorgemaßnahmen. Ich wünschte mir, dass dieser Kreis sich einmal zu einem Symposion zusammenfindet, um eine Standortbestimmung vorzunehmen. Um zu fragen, wie steht es mit der Gesundheitsvorsorge in unserer Stadt; was haben wir im vergangenen Jahr gut gemacht und was muss noch verbessert werden?
Hieraus könnten praktische Schlüsse für die Zukunft gezogen werden, um beispielsweise

konzertierte Aktionen bei der Gesundheitserziehung unserer Kinder durchzuführen. Sicherlich würde man dabei alsbald an Grenzen jeweiliger Vereinsinteressen stoßen. Gerade aber dies wäre die Schnittstelle, an der man ansetzen müsste, um gezielte Maßnahmen durchzuführen; denn in der Konzentration liegt die Kraft. Bei der bisherigen Vielfalt praktischer Gesundheitsvorsorge verpuffen viel Zeit und Geld.

Cux-Journal: Schließlich noch eine letzte Frage: Was unterscheidet eigentlich einen Kneipp-Verein von einem allgemeinen Sportverein?

Lange: Zunächst einmal dadurch, dass typisch sportliche Eigenschaften wie Schnelligkeit, Ausdauer und Kraft der Kneipp-Lehre fremd sind. Unser Bemühen ist vielmehr auf gesundheitlich orientierte Lebensweise ausgerichtet. Insoweit beinhaltet unsere Bewegungstherapie durchaus auch untypische Sportarten, wie Yoga, meditativen Tanz oder Wirbelsäulen- und Beckenbodengymnastik. Daneben gibt es aber auch klassische Sportarten wie Schwimmen oder Gymnastik. Der wesentliche Unterschied zum allgemeinen Sportverein liegt tiefer. Er besteht darin, dass die Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp auch von sittlich-ethischen Grundsätzen getragen wird, die das sanfte Gesetz des Lebens zu erblicken versuchen. Kneippianer zu sein, heißt eine positive Lebenshaltung zur Umwelt und zu seinen Mitmenschen zu haben.

Cux-Journal: Wir danken Ihnen, Herr Lange, für das Interview und wünschen Ihnen und Ihrem Verein weiterhin viel Erfolg.

Letzte Änderung: 15.05.2010